Montag, 28. Dezember 2009

Stuttgart ist Vize-Weltmeister!

4.1.

Thanks to Koç Worlds - best Worlds ever!

3.1.

Die Spannung stieg und stieg im Verlauf des Tages, während wir uns das Halbfinale des Hauptfeldes, das ESL-Finale und schließlich das sehr beeindruckende Große Finale zum Thema "This House believes that the media should show the full horror of war" ansahen und auf die Ergebnisse warteten. Dann war es endlich soweit:

  • Michael Saliba ist zweitbester deutscher und bester Stuttgarter Redner!
  • Andreas Lazar ist neuntbester Redner der Welt (EFL)!

  • Nils Haneklaus ist zweitbester Redner der Welt (EFL)!

  • Stuttgart ist Vize-Weltmeister in English as a Foreign Language!!
Wir hatten es leider nicht ganz geschafft, da die Juroren die Analyse der Schließenden Opposition aus Moskau besser gesehen hatten. Doch wir freuen uns für unsere russischen Freunde und sind sehr, sehr stolz auf unsere Leistung, die das Ergebnis intensiver gemeinsamer Arbeit in den letzten Monaten ist. Entsprechend stehen wir alle nahe beieinander in der Tabelle: Stuttgart A und Stuttgart B haben beide 14 Teampunkte, wobei Nils und Michael den ESL-Break nur um etwas mehr als einen Rednerpunkt (von 100) pro Redner und Runde verpaßt haben. Bei der Ehrung der besten Redner wurde statt Nils versehentlich Michael zur Bühne gerufen. Doch als 28. von 274 ESL- und EFL-Rednern - die zweitbeste Bewertung unter allen deutschen Rednern! - hat auch er Anerkennung verdient. Igor ist als 14. von 104 EFL-Rednern ebenfalls gut dabei. Das neue Jahr beginnt großartig für den DCS!

2.1.

Wir wollten uns vor unserem EFL-Halbfinale ein Achtelfinale des Hauptfeldes ansehen, um vielleicht Inspiration zu gewinnen, und standen deshalb früh auf. Zum Thema "This house believes that the West should recognize the Dalai Lama" sahen wir uns Oxford B und Queensland A gegen Oxford A und Auckland A an und erlebten eine hochklassige und lebendige Debatte, bei der besonders das erste Team im Tab, Oxford A mit Shengwu Li (oben im Bild) und Jonathan Leader Maynard, mit extrem klarer Analyse beeindruckte.

Danach mußten wir selbst ran und als Eröffnende Regierung mit Russen und gegen Kroaten und Chinesen zeigen, warum "This house would use faith-based rehabilitation in prison" eine gute Idee ist. Ein sauberer, praktisch und prinzipiell gut begründeter Antrag und eine Opposition, die ihre Punkte sehr häufig wiederholte, halfen uns, ins Finale einzuziehen. Wir durften noch einmal jubeln, bevor nach dem Viertelfinale des Hauptfeldes und dem ESL-Halbfinale am frühen Abend auch schon unser Finale anstand.

Diesmal waren Igor und Andreas Eröffnende Opposition, und wir mußten gegen zwei kroatische und mit einem russischen Team zeigen, warum "This House believes that democratic states should own their own broadcasting corporations" keine gute Idee ist. Neun Juroren, darunter der Chefjuror des Turniers, Can Okar, viele Zuschauer und unzählige Kameras richteten ihre Aufmerksamkeit auf uns, als wir detailliert erklärten, dass Staatssender unvermeidlich die Märkte der Information und der Meinungen verzerren und Propaganda ausstrahlen würden. Doch die Schließende Regierung aus Zagreb und vor allem die Schließende Opposition aus Moskau machten auch einen guten Job, und so fragten wir uns auf dem Weg zur Disco in Antalya, ob es wohl für unseren Sieg gereicht hatte ...

1.1.

Nur leicht verkatert machten wir uns zur Exkursion auf, einem Quad-Ausflug in die Berge um Antalya. Wir brausten mit unseren Benzinschleudern durch ärmliche Dörfer, die doch mit vom Tourismus leben, und machten Halt an einem wunderschönen Wasserfall, der in einen unglaublich klaren See stürzt. Zurück durften wir zwar schneller fahren als hin, doch dabei bretterten zwei asiatische Debattierer fast in den Abgrund, und ihr Quad mußte mit einer Seilwinde geborgen werden. Zum Glück war den Rednern jedoch nichts passiert, und wir fielen zurück im Hotel zufrieden, aber auch nachdenklich in unsere Betten und machten uns einen ruhigen Abend.

1.1.2010, Mitternacht

Stuttgart B (Andreas Lazar und Igor Gilitschenski) breakt als erstes Team ins EFL-Halbfinale! Stuttgart A hat auch genug Teampunkte fürs ESL-Viertelfinale, aber einige wenige Rednerpunkte zuwenig und schafft es deswegen leider nicht. So mischen sich viel Freude und etwas Trauer, als wir feiern, doch wir sind sehr stolz auf unseren großen Erfolg und freuen uns nun auf das Halbfinale morgen.

31.12.

Das Thema der siebten Vorrunde lautete: "This House would grant those diagnosed with terminal illnesses the right to access treatments that have not completed clinical testing." Andreas und Igor wurden aus der Eröffnenden Regierung Dritte, während Michael und Nils ihre Debatte gewannen. Dies führte dazu, dass Stuttgart A mit 12 Punkten in der achten Vorrunde zum Thema "This House would partition Sudan" gegen sehr starke Teams aus Wellington und Sydney in einer sehr guten Debatte antrat, während Stuttgart B mit 9 Punkten in einer sehr schlechten Debatte landete, in der unter anderem permanent West- und Südsudan verwechselt und riesige Dolche in die Rücken der eröffnenden Parteien getrieben wurden.

Mit einem Sieg und einer Niederlage und nun jeweils 12 Punkten gingen wir motiviert in die letzte Vorrunde, bei der wir einmal auch ohne Almanach Experten waren: "This House would ban all pornography." Aus der Eröffnenden (Stuttgart B) bzw. Schließenden Opposition (Stuttgart A) wurden wir jeweils knapp Zweite, und dann hieß es zum Silvesterdinner und zur Party im Zelt am Strand bei Vollmond gehen und auf den Break warten ...

30.12.

Auch heute standen wieder drei Debatten für uns und alle anderen an. Zuerst "This House would prohibit high-ranking members of the Sri Lankan military and the Tamil Tigers from participating in elections." Igor und Andreas fanden sich in der Eröffnenden Regierung gegen ein kanadisches, ein malaysisches und ein thailändisches Team wieder. Wir waren dankbar für den Weltalmanach, den wir am Flughafen Stuttgart noch gekauft hatten, und wurden Zweite, Nils und Michael ohne Almanach sogar Erste.

Nach dem Mittagessen hieß es: "This House would abolish the taxes on alcohol and cigarettes that go beyond normal sales taxes." Aus der Schließenden Opposition wurde Stuttgart B sehr knapp Zweiter gegen die Schließende Regierung von der London School of Economics, da die Juroren meinten, dass die Schwäche der Eröffnenden Opposition uns einen Vorteil verschafft hätte, den man in der Bewertung mit einbeziehen müsse. Wenn wir dann auch einen Mitleidsbonus kriegen, falls die Erste Opposition brillant ist, ist das in Ordnung - Stuttgart A jedoch litt unter genau diesem Problem und wurde Vierter.

Das letzte Thema des Tages lautete "This House would prosecute communities for complicity in honour killings." Hinter einer recht unklaren Eröffnenden Regierung begingen Andreas und Igor nach Meinung der Juroren ein Knifing, wenn auch versehentlich, und wurden deshalb recht harsch nur als Dritte gewertet, während Michael und Nils mehr Erfolg hatten und gewannen. Mit neun Punkten für Stuttgart A und acht für Stuttgart B gingen wir Kopf an Kopf und frohen Mutes zur schönen Party nach Antalya.



29.12.

Unser Tag begann mit Sonne über dem Meer und einem leckeren Frühstück. Danach ging es in Versammlungssaal A, um unsere Debattierräume und das Thema der ersten Vorrunde der 30. World Universities Debating Championship zu erfahren: "This House would ban labor unions."

Andreas und Igor traten aus der Eröffnenden Opposition gegen drei muttersprachliche Teams aus Cardiff, Alberta und Nottingham an. Wir schlugen uns tapfer und wurden Dritte, wobei wir uns den Trick der Schließenden Opposition merken wollen, unser Rebuttal zu stehlen und wieder zu halten (nur besser). Michael und Nils waren etwas stärker und wurden Zweite.

Nach dem Mittagessen, und nachdem erneut gut 400 Teamnamen durchgescrollt waren, hieß es: "This House believes developing nations should pay for the full tuition of female university students." Stuttgart B wurde etwas unverständlich Vierter, Stuttgart A knapp Dritter. In der letzten Vorrunde des Tages lautete das Thema "This House would financially incentivize both inter-faith and inter-ethnic marriages", wobei Nils und Michael Vierte und Igor und Andreas gegen zwei chinesische und ein kanadisches Team Zweite wurden. Dabei wurden wir von einem der Chefjuroren bewertet, in Erfüllung des Versprechens des Jurorenteams, dass nicht nur die besten Debattierer in den stärksten Räumen, sondern alle Redner in den Genuß der besten Jurierung kommen sollen. Eine weitere schöne Innovation dieses bisher hervorragend organisierten und ausnehmend freundlich betreuten Turniers, die Lust auf mehr macht. Morgen wieder!



28.12.

Nils und Michael treten als ESL-Team (English as a Second Language) an, da Michael ein Studienjahr in Australien verbracht hat, Igor und Andreas treten als EFL-Team (English as a Foreign Language) an. Dieses Jahr gibt es über 130 ESL- und EFL-Teams, fast doppelt so viele wie auf der letzten Weltmeisterschaft in Cork. Darum hielten wir nach dem reichhaltigen Frühstück, dem ebenso reichhaltigen Mittagessen, einem gnädigerweise kurzen Eröffnungsmeeting und einem Nickerchen bzw. einem Bad im Meer, aber vor dem Galadiner eine kleine Übungsdebatte dazu ab, ob Ehrenmorde härter bestraft werden sollen, um uns zu entrosten und morgen fliegend starten zu können.

Danach schlemmten wir, tranken und tanzten im wunderschön dekorierten Saal B des Maritim Pine Beach, doch ganz loyale Stuttgarter, gingen wir schon um Mitternacht ins Bett, um für die morgigen ersten drei Debatten stark zu sein und unserem Club Ehre zu bereiten. Oxford macht es auch so!



27.12.

Nils Haneklaus und Michael Saliba sowie Igor Gilitschenski und Andreas Lazar treten als Stuttgart A und Stuttgart B auf der Weltmeisterschaft im türkischen Antalya an, als eine der größten deutschsprachigen Delegationen neben Teilnehmern aus Greifswald, Halle, München, Potsdam, St. Gallen und Wien. Nach einer reibungsfreien Anreise und einem beeindruckend effizienten und freundlichen Checkin im Fünfsternehotel Maritim Pine Beach Resort genossen wir das milde Klima des Mittelmeers und die kostenlosen Getränke, bevor wir uns zurückzogen, um für die morgige Eröffnungszeremonie und die Workshops fit zu sein ...

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Debattierclub Stuttgart coached Volontäre von DIE NEUE 107.7


Zum Abschluss des Debattier-Jahres 2009 machten sich Michael Saliba, Daniel Markus und Marcus Ewald auf den Weg zum Sendestudio NEUEN 107.7, dem erfolgreichsten Lokalsender in der Region Stuttgart.

Die drei Redner des Debattierclub Stuttgarts waren eingeladen um insgesamt 20 Volontären, Auszubildenden und Mitarbeitern des Radiosenders ein Seminar zum Thema Rhetorik und Schlagfertigkeit anzubieten.

Im Rahmen eines kurzen Theorieblocks wurde zunächst gezielt auf rhetorische Stilmittel eingegangen und zum Thema Stimmvariation und Redegeschwindigkeit auf Elemente eingegangen, die auch im Debattieren eine zentrale Rolle spielen. Anschließend wurden die Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt um ihnen die Möglichkeit zu geben innerhalb einer Debatte die erlernten Theorien umzusetzen.
Nachdem Michael, Daniel und Marcus den einzelnen Rednern ein Feedback gegeben hatten, beendeten sie das insgesamt fünfstündige Seminar mit einigen auflockernden Spontanitätsübungen, die vor allem darauf abzielten Schlagfertigkeit zu trainieren.

Der Abend fand einen netten Abschluss in einer Bar, wo die Teilnehmer ausgelassen den Abend ausklingen ließen. Das Zusammentreffen des Debattierclubs Stuttgart mit der NEUEN 107.7 war eine neue und spannende Erfahrung für alle Beteiligten und ein gelungener Nachmittag, um die Faszination für die Rhetorik zu teilen. Für das kommende Jahr ist bereits eine Fortsetzung des Seminars geplant.


Autor: Daniel Markus

Freitag, 18. Dezember 2009

Der DCS im besetzten Hörsaal

Seit über 3 Wochen besetzen Studenten im Rahmen des Bildungsstreiks den Haupthörsaal der Universität Stuttgart, um Ihren Forderungen, unter anderem nach einer Reform des Bologna Prozesses, Nachdruck zu verleihen. Auf Einladung der protestierenden Studenten veranstaltete der Debattierclub Stuttgart (DCS) am 10.12. im besetzen Hörsaal eine öffentliche Debatte zu eben diesem Thema: "Wir brauchen Luft zum Atmen. Schafft den Bachelor/Master ab".

In einer verkürzten OPD Debatte forderten Andreas Lazar, Isabel Spieth und Nils Haneklaus als Regierung die unmodifizierte Rückkehr zum System der Diplom- und Magisterstudiengänge aus der Zeit vor dem Bologna-Prozess. Die Freiheiten der alten Ordnung ermöglichen eine abgeschlossenere Persönlichkeitsentwicklung und individuellere Gestaltung des Ausbildungsinhalts.

Demgegenüber verteidigten Arne Spieker, Steffen Eberle und Daniel Markus als Opposition die Vorteile von Bachelor und Master-Studiengängen, insbesondere in Form der größeren Durchlässigkeit auf europäischer Ebene. Statt eines Schritts zurück in die Vergangenheit sollte der Blick nach vorne gerichtet sein, um etwaige Probleme bei der Einführung abzustellen.

Durch die Debatte wurden in kompakter Form die Nachteile aber auch die Vorteile des Bologna-Prozesses klar dargestellt und somit der positive Diskurs in den besetzen Hörsaal getragen. Diverse Zuschauer verfolgten neben den besetzenden Studenten die Debatte.

Autor: Florian Wilken

Montag, 14. Dezember 2009

Stuttgart ist Baden-Württembergischer Vizemeister, 12.-13.12.2009

Soll das deutsche Wahlrecht exklusiv statt allgemein sein? Sollen christliche Kirchen das Missionieren einstellen? Brauchen wir Nummernschilder für Polizisten? Ist der deutsche Journalismus noch zu retten? Und was haben Fußballspiele und Debattierturniere gemeinsam?


Fragen über Fragen, die die Vorrunden des Streitkulturcups bzw. der Baden-Württembergischen Meisterschaft, das Streitkulturcupfinale und den feucht- fröhlichen Abend bestimmten.
Am Samstag, 12.12.2009 reisten wir mit 3 Teams und einem Juror nach Tübingen an. Die Zusammenstellung der Teams ging diesmal ziemlich schnell und unproblematisch über die Bühne, mehr Zeit in Anspruch nahm hingegen die Findung der Teamnamen. Nach langen Diskussionen entschieden wir uns dafür, das Motiv „Stern“ als Grundlage zu wählen. Daraus entstanden dann die Teams Stuttgart Ereignishorizont (Kathrin Reinhold, Michael Saliba und Igor Gilitschenski), Stuttgart Supernova (Andreas Lazar, Isabel Spieth und Nils Haneklaus) und Stuttgart Raumkrümmung (Sarah John aus Tübingen, Steffen Eberle und Michael Neumann-Graham). Als Juror war Benjamin Weihs dabei, der, ebenso wie Michael N.-G., stolz sein erstes Turnier bestritt.

Die Vorrunden fanden im Brechtbau der Uni Tübingen statt. Nach abwechslungsreichen Debatten erwarteten wir voller Spannung die Verkündung des Streitkulturcup Finales, an dem alle anwesenden Teams teilnehmen konnten und das zugleich die Halbfinales der BaWü ankündigte (an der nur Teams aus Baden-Württemberg teilnehmen durften).
Das Finales des Streitkulturcups musste leider ohne Stuttgarter Beteiligung stattfinden und so erwarteten wir daumendrückend das Break der BaWü – und hatten allen Grund zum Jubeln! Das Team Stuttgart Ereignishorizont hatte es geschafft und stand im Halbfinale. Stuttgart Supernova erreichte leider als 5. der Baden-Württembergischen Teams den undankbaren Platz hinter dem Break (und somit verstand auch Isabel endlich mal das Gefühl wie es ist, um ein paar winzigkleine Pünktchen das Halbfinale zu verpassen). Dennoch gab es Grund zur Freude: Nils Haneklaus konnte als freier Redner ins Halbfinale breaken.




Nach der Breakverkündung machten wir uns also auf, um das Finale des Streitkulturcups zu verfolgen. Dort standen sich ein Team aus der Schweiz (mit unaussprechbarem Namen) und Die Motten und das Licht aus Bonn/Hamburg im medizinischen Hörsaal (definitiv nicht für Menschen mit Höhenangst geeignet...) gegenüber. Die Motten und das Licht konnten die Debatte für sich entscheiden und Lukas Haffert (aus der Schweiz) durfte die Auszeichnung des besten Finalredners entgegennehmen. Anschließend schleppten wir Schlafsäcke und Isomatten in die Mehrzweckhalle eines Tübinger Wohnheims, um von dort aus den Partykeller zu stürmen.

Viel Glühwein, kalte Pizza und eine Playlist, bei der für jeden was dabei war, ergaben eine laute und tanzintensive Party – und das, obwohl Tübingen am Sonntag die Auszeichnung als staubtrockene Tanzmuffel erhielt. Dank der Frauenquote bot sich dem Partyvolk ein ganz neues Bild: es gab plötzlich erstaunlich viele Frauen auf der Tanzfläche :)

In den frühen Morgenstunden begaben wir uns dann erschöpft in unseren Schlafraum, der mittlerweile einem Flüchtlingslager glich: Schlafsack an Schlafsack reihte sich aneinander, dazwischen einige Taschen und von allen Seiten ertönte lautes Schnarchen.

Viel zu früh kam der nächste Morgen und nachdem Michael S. mit einem Anruf (zwar sicherlicht unabsichtlich, aber dennoch erfolgreich) alle Schlafenden weckte, machten wir uns wieder auf den Weg in den Brechtbau, wo wir bereits von den Tübingern mit Kaffee und Brötchen erwartet wurden. Nachdem sich endlich alle Redner eingefunden hatten wurde schnell klar – es herrscht akuter Jurorenmangel. Kurzer Hand wurde Andreas Lazar als Juror der BaWü (und beim Finale als Präsident) verpflichtet und wechselte die Seiten.


Danach wurde es ernst für unser Stuttgarter Team. „Soll die elektronische Fußfessel eingeführt werden“ war das Thema, zu dem Stuttgart in der Opposition gegen das Team aus Karlruhe Stellung beziehen musste, während im anderen Halbfinalraum ein rein heidelbergisches Duell stattfand. Auch Nils Haneklaus sprach in der Debatte Stuttgart vs. Karlsruhe und somit konnten wir tatkräftig alle unsere Redner gleichzeitig unterstützen, waren also nicht gezwungen zwischen den Halbfinalräumen zu wählen.

Mit Erfolg! Das Team Stuttgart Ereignishorizont bezwang Karlsruhe und traf im Finale auf Die Heidelmännchen (Marcus Ewald, Jan Lüken und Louisa Meisel), das Siegerteam des anderen Halbfinales.

Das Finale fand im wunderschönen Kleinen Senat der Neuen Aula statt – genau der richtige Rahmen für die bevorstehende Debatte: „Sollen EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet sein, andere Mitgliedsstaaten bei Wirtschaftskrisen zu unterstützen?“


In einem spannenden Duell, in der die Redner Witz und Sachverstand bewiesen, unterlag Stuttgart Ereignishorizont dann leider den Heidelmännchen. Der knappe, aber absolut verdiente Sieg konnte auch endlich den Fluch brechen, der auf Jan Lüken lag, nämlich in Finals immer zu verlieren.

Und irgendwie ist der Sieg trotzdem in der Landeshauptstadt gelandet: Sowohl Marcus als auch Jan sind Mitglieder des Debattierclubs Stuttgart. Und Louisa bekehren wir hoffentlich auch noch…

Stuttgart ging aber nicht ganz leer aus: Igor Gilitschenski wurde Publikumsliebling und wir nennen uns mit Stolz Baden-Württembergischer Vizemeister 2009.






Der Heidelberger Sieg bedeutet auch, dass die nächste Baden-Württembergische Meisterschaft in Heidelberg stattfinden wird, denn der Sieg bring die Pflicht mit sich, der nächste Ausrichter zu sein.

Kurios: Kathrin Reinhold ist jetzt bereits zweifache Baden-Württembergische Vizemeisterin. Denn auch 2007 stand sie in Heidelberg im Finale, damals mit Andreas Lazar und Florian Wilken.

Wie heißt es so schön: aller guten Dinge sind drei. Vielleicht schafft es Stuttgart im kommenden Jahr die Baden-Württembergische Meisterschaft nach Hause zu holen, denn 2003 hat der Stuttgarter Vereinsgründer Thorsten Rogowski die Baden-Württembergische Meisterschaft ins Leben gerufen und seither war es uns leider noch nie vergönnt als amtierender Meister der nächste Gastgeber zu sein.

Die Saison 2009/2010 entpuppt sich damit bereits als sehr erfolgreich für den DCS. Erst das Halbfinale bei der ZEIT DEBATTE in Potsdam (mit Michael, Nils und Daniel), dann das Halbfinale in Paris (mit Andreas und Nils) und jetzt das Finale der BaWü. Da ist noch Luft nach oben und wir freuen uns bereits auf die nächsten Turniere!

Herzlichen Glückwunsch an Heidelberg. Ein ganz dickes DANKE nach Tübingen: Es war ein echt tolles Wochenende!!!

Ach ja: sowohl bei Fußballspielen als auch bei Debattierturnieren ist die Schlange vor der Männertoilette länger als vor der Frauentoilette. Und daran konnte nicht mal die Tübinger Frauenquote etwas ändern.


Autor: Isabel Spieth

Dienstag, 8. Dezember 2009

Schallgrenze Semi Finals – Pyro and Iceman erreichen das Halbfinale in Paris

Nationale Grenzen stellten kein Hindernis dar, als Andreas Lazar und Nils Haneklaus den Debattierclub Stuttgart am Nikolauswochenende beim Centrale Paris IV 2009 mit dem Stuttgarter Team „Pyro and Iceman“ in Frankreich vertraten.

Austragungsort des englischsprachigen Turniers war die Ecole Centrale in der französischen Hauptstadt. Eingeladen waren 20 Teams aus Frankreich und anderen europäischen Staaten.

Bis Paris verlief die Reise ohne große Zwischenfälle. Doch nach dem Kauf eines falschen Tickets zur Ecole Centrale oder eben einem Ticket, das nicht erlaubte, dorthin zu fahren, musste direkt ins französische Debattieren eingestiegen und festgestellt werden, dass es noch Übungsbedarf gibt. Nach Zahlung einer milden Strafe war es jedoch die Sympathie des gesamten „Banlieue“, die wir gewonnen hatten.

Noch besser lief es dann bei der ersten Vorrunde um 20.00 Uhr. Team Stuttgart konnte in der Rolle der zweiten Opposition gegen drei französische Teams klar herausstellen, dass die körperliche Bestrafung von Kindern manchmal durchaus angebracht sein kann, und belegte damit den ersten Platz der Debatte. (Motion: „This House would ban physical punishment of children.“)

Knapper ging es in der zweiten Debatte zu. Stuttgart musste in Form der zweiten Regierung gegen Greifswald (erste Regierung) sowie zwei Teams der französischen Sciences Po Universität deutlich machen, dass es Kurzstreckenflüge zu verbieten gilt. (Motion: „This House would ban short distance flights.“) Unsere Zimmergenossen Céline aus der Schweiz und Gustav aus Estland, welche beide in Frankreich studieren, schlugen sich gut, am Ende waren es jedoch die deutschen Teams, die brillierten.

Nach guter Vorarbeit der Greifswalder gelang es durch Kreativität und gutes Technikverständnis, die rhetorische Flanke gezielt im französischen Kasten zu versenken und als Torschütze mit drei Punkten gegenüber den zweitplatzierten Greifswaldern vom Felde zu gehen. Mit zwei Siegen in Folge war Stuttgart zu diesem Zeitpunkt somit Führender des Tabs.


In der dritten Vorrunde war es dann an Stuttgart als erste Regierung, gegen ein starkes Greifswalder Team als zweite Regierung, sowie zwei starke französische Teams auf Seiten der Opposition einen Antrag für Euthanasie zu stellen. (Motion: „This house would legalize euthanasia.”) Hier spiegelte sich nun die Debatte zur vorherigen und wie bei einem Spiegelbild war das Ergebnis gedreht. Es waren also die Greifswalder, welche mit voller Punktzahl das Feld verließen, und wir, die diesmal die Vorarbeit geleistet hatten und mit einem verdienten zweiten Platz zum Mittagessen gingen, durch das Wissen beruhigt, dass wir gleichauf mit Greifswald an der Spitze des Tabs standen und sicher breaken würden.



Gesättigt, aber nicht gestärkt ging es als zweite Regierung an der Seite der Sciences Po University gegen ein Swing-Team und Greifswald in der Opposition um die Direktwahl des EU Präsidenten weiter. (Motion: „This house would directly elect the president of the EU in a pan-European popular vote.”)

Das Thema, kurze Pausen zwischen den Debatten und eine ebenfalls nicht lange Nacht führten letztlich zum verdienten Sieg der Greifswalder vor den redegewandten Studenten der Sciences Po, sowie den übermüdeten Schwaben, die ihre Kräfte für die nach der Breakverkündung vielleicht noch kommenden zwei Debatten intuitiv aufzusparen schienen.

Die Breakverkündung brachte das erwartete Ergebnis, nämlich die Forderung, sich unverzüglich auf ein Semi-Finale gegen Utrecht aus den Niederlanden (erste Regierung), Greifswald (erste Opposition) und Ben Gurion aus Israel (zweite Regierung) vorzubereiten.

Der wohl stärkere Finalraum ging bei der Analyse über Sanktionen gegen israelische Siedlungen im Westjordanland sehr tief und bewegte sich damit auf einem der Situation angemessenen hohen Debattierniveau. (Motion: „This house would put sanctions on Israel until it removes settlements in the West Bank.“)

Mehr Eloquenz, aber auch sehr gute Kenntnisse der Situation verhalfen am Ende dem Team aus Israel, sowie Greifswald auf den ersten und zweiten Platz. Stuttgart blieb der dritte Platz und die Aussicht auf ein spannendes Finale.

Im Finale trafen nun Ben Gurion (erste Regierung), unsere Zimmergenossen von der Sciences Po (erste Opposition), Assas aus Paris (zweite Regierung) sowie Greifswald (zweite Opposition) aufeinander, um darüber zu debattieren, ob Streiks zukünftig verboten werden sollten. (Motion: „This House would ban strikes.”)

Nach aufregenden, aber auch aufreibenden 56 Minuten war klar, dass ein analytisch sehr starkes und durch bestechende Argumente gut gewappnetes Team aus Greifswald das Finale für sich entscheiden konnte.

Bei der Verkündung der besten Redner war es jedoch auch noch einmal der Stuttgarter Stern, der funkeln durfte. Andreas Lazar wurde als fünftbester Redner geehrt!

Viertbester Redner war Rafael Heinisch, zweitbeste Sarah Jaglitz, beide aus Greifswald, bester Redner war Fabian Klein der Assas Universität aus Paris, welcher mit gelungenen Auftritten über die gesamten Vorrunden gute Punkte sammeln konnte.

Ihm und dem Team Greifswald möchte ich ganz herzlich gratulieren. Gratulieren möchte ich aber auch den Organisatoren für ein sehr gelungenes Turnier, danken möchte ich selbigen, aber auch den vielen Debattierern und Debattiererinnen, die dieses wunderbare Turnier erst möglich gemacht haben.

Autor: Nils Haneklaus

Dienstag, 1. Dezember 2009

DCS erreicht Halbfinale in Potsdam

V.l.: Daniel Markus, Nils Haneklaus und Michael Saliba im Potsdamer Halbfinale

Ein zweiter Debattiertermin am Dienstag, Showdebatten und Infostände, Vereinswochenenden und Extraübungen mit erfahrenen Trainern wie Marcus Ewald, Daniel Grotzky und Pauline Leopold, unser Rhetorik- und Argumentationskurs für Bachelor- und Masterstudenten, die Vorbereitungen für unser Turnier im Januar, der Einsatz unseres Vorstandes und nicht zuletzt das starke und vielfältige Engagement unserer neuen und alten Mitglieder: Unsere harte Arbeit zwischen den Weinbergen Stuttgarts beginnt erste rednerische Früchte zu tragen.

Unser Team Stuttgart Killesberg, bestehend aus Michael Saliba, Nils Haneklaus und Daniel Markus, erreichte das Halbfinale der ersten ZEIT DEBATTE 2009/2010 in Potsdam und mußte sich dort nur knapp Streitpunkt Leipzig geschlagen geben. Zusätzlich sammelte Jörn Dunemann, der mit zwei Mitgliedern der Rederei Heidelberg in einem Mixed-Team antrat, auf seinem ersten Turnier wertvolle Erfahrungen als Redner, und Andreas C. Lazar jurierte bis ins Viertelfinale und erreichte zusammen mit Florian Prischl aus Wien das Finale des ersten Debattierslams Deutschlands. Der 27. - 29. November 2009: Eines der schönsten und erfolgreichsten Turnierwochenenden seit Bestehen unseres Vereins - und hoffentlich nicht unser letztes Wort.

Dies alles wußten wir natürlich noch nicht, als wir am Freitag Nachmittag aus verschiedenen Richtungen anreisten. Andreas war dabei wohl am schnellsten, da seine Mitfahrgelegenheit, ein junger Hauptfeldwebel der Fallschirmjäger mit dreimaliger Afghanistanerfahrung und einem Audi A4 Diesel, so forsch die guten Straßen unserer Republik auskostete, dass er schon weit vor dem Abendessen in Babelsberg aufschlug. Nach Würstchen und Kartoffelsalat und einer dankenswerterweise recht kurzen Regeleinführung durch die Chefjuroren Gudrun Lux, Lea Weitekamp und Tim Richter gab es drei gleichzeitige Eichdebatten zum Thema, ob jegliche Überprüfung lebender Personen auf Stasi-Mitarbeit beendet werden soll, und als nach dem ausführlichen Feedback die meisten Teilnehmer eingetroffen waren, den Debattierslam.

Andreas und Florian Prischl nahmen sich vor, das manchmal müde Feld gehörig aufzumischen, wobei ihnen das Thema sehr entgegenkam: Soll es Aliens verboten werden, in Deutschland zu landen? In der Opposition zogen sie alle Registers ihres Fachwissens über gute und böse Außerirdische, Spock und Yoda, Technologietransfer und Parallelgesellschaften und plädierten mit viel Emotion dafür, unsere Arme für Besucher aus dem Kosmos zu öffnen. Mit 46 zeigten die Punktetafeln der Zuhörer den höchsten Wert der Vorrunde.
Im Finale dazu, ob Modeverbrechen optische Ruhestörung sind, mußten die beiden trotz reaktivierter Novellenkenntnisse aus dem Deutschunterricht ("Kleider machen Leute") leider Lukas Haffert und Torsten Rössing den Vorzug geben, aber wir nahmen unser gutes Abschneiden in diesem nicht ganz ernsten Wettbewerb als gutes Omen für das echte Turnier am nächsten Morgen.

Schon um kurz nach acht ging es mit dem Thema "Herdprämie" los. Andreas jurierte gemeinsam mit Miriam Hauft Mainz Anton gegen München A-Team, und unser Team schlug die Rederei Heidelberg aus der Opposition sehr überzeugend mit 238 Punkten. Danach konnten Michael, Nils und Daniel als freie Redner zum Thema einer "Flat Tax" gute 133 Punkte sammeln, während Andreas mit Andrea Gau Dresden gegen die Rederei jurierte. Nach dem Mittagessen bewertete Andreas mit Sarah Kempf und Stefan Kegel Ilmenau gegen Paderborn, während das Team in der Regierung gegen Bonn für "Kostenfreie Museen" stritt. Dann hieß es für den Break bangen, da das letzte Feedback (ohne Punkte) unseren Jungs bedeutet hatte, dass sie nur durchschnittlich gewesen wären ...

Am frühen Abend dann der erlösende Jubel: Stuttgart Killesberg zieht mit 574 Punkten als Fünfter (punktgleich mit Streitpunkt Leipzig) ins Viertelfinale ein! Die Freude wich jedoch schnell starker Konzentration, denn als Regierung gegen den Dritten des Tabs, Berlin Schwanenwerder mit Bastian Laubner, Patrick Ehmann und Dessislava Kirova zum Thema "Vorpommern ist Tuvalu! - Soll bedrohten Völkern entsiedeltes Land zur Verfügung gestellt werden?", hieß es so gut wie nur möglich sein, um ein Drama wie im Achtelfinale der Deutschen Meisterschaft 2007 in Bayreuth zu verhindern, als Andreas Lazar, Tolga Kacmaz und der damalige wie heutige Schlußredner Daniel Markus als Fünfzehnte des Tabs gegen den Zweiten, Berlin, in einer spektakulären Debatte zur Einstellung der Entwicklungshilfe extrem knapp mit 260 zu 263 Punkten ausgeschieden waren ...

Doch die Geschichte wiederholte sich nicht: Stuttgart schlug Berlin in einer mitreißenden Viertelfinalsdebatte mit fast unglaublichen 268 zu 263 Punkten, und unser grenzenloser Jubel erfüllte das "Palmenzelt" in Potsdam bis in die Nacht.

Andreas, der das Stuttgarter Viertelfinale leider nicht verfolgen konnte, da er gleichzeitig bei München Chuck Norris gegen Bochum präsidiert hatte, machte am nächsten Morgen im Hotel Mercure die Kamera für das Halbfinale gegen Leipzig mit Christoph Hirschfeld, Teresa Peters und Tom-Michael Hesse zum Thema, ob wir "Wieder mehr Freiraum an Universitäten" brauchen, bereit. Das Bild, das sich bot, war nach den großen Emotionen des vorigen Tages etwas gedämpfter, aber Michael, Nils und Daniel lieferten aus der Regierung dennoch sehr gute, bisweilen fast lyrische Redeleistungen.

Leider reichte es mit 219 zu 229 Punkten nicht mehr für einen weiteren Sieg, und so fand das Finale mit Göttingen gegen Leipzig zum Thema eines "Vaterlandsjahres" ohne uns statt. Doch die Saison hat eben erst begonnen, und wir werden noch viel Gelegenheit haben, das gute Turnierfeedback umzusetzen und zu zeigen, daß auch weiter mit uns zu rechnen ist ...

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner aus Göttingen!
Vielen Dank an die Ausrichter aus Potsdam für das tolle Turnier!
Auf Wiedersehen in Stuttgart bei der nächsten ZEIT DEBATTE vom 22. - 24. Januar!

Autor: Andreas C. Lazar