Sonntag, 30. Januar 2011

Punk Turnier in Stuttgart

Der Debattierclub Stuttgart lädt am 12.02.2011 zum Punkturnier ein:

* Termin: Samstag, 12. Februar 2011 ab 9:00 Uhr
* Chefjuroren: Nils Haneklaus, Andreas Lazar und Sarah Kempf
* BP, deutsch, bis zu 36 Teams (es gilt n-1), 4 Vorrunden mit Reden zu 5 Minuten, Halbfinale und Finale mit Reden zu 7 Minuten
* Kosten: 10 Euro pro Person, enthält Crash, Tagesverpflegung und Bespaßung beim abendlichen Ausgehen
* Teil der Freien Debattierliga, vor allem für Anfänger empfohlen
* Das im Voraus angekündigte Thema lautet:

"Dieses Haus würde die Handelsbeziehungen mit Ländern abbrechen, in denen Christen verfolgt werden."

Bei Fragen und zur Anmeldung wendet euch bitte an Andreas C. Lazar, andreas @ debattierclub-stuttgart.de.

Montag, 24. Januar 2011

Botswana Worlds 2011

Michael Saliba und Andreas Lazar als Stuttgart A, Jana Gilke und Nils Haneklaus als Stuttgart B sowie Christopher Sanchez als Juror haben vom 27. Dezember 2010 bis zum 4. Januar 2011 an der Weltmeisterschaft im Universitätsdebattieren in Gaborone, Botswana teilgenommen. Sie erzielten eine Reihe hervorragender Erfolge:
  • Stuttgart A ist Halbfinalist in Englisch als Zweitsprache (ESL)!
  • Michael Saliba ist viertbester Redner der Welt in ESL!
  • Andreas Lazar ist bester Redner der Welt in Englisch als Fremdsprache (EFL)!
  • Nils Haneklaus ist sechstbester Redner der Welt in EFL!

Christopher Sanchez, Andreas Lazar, Michael Saliba, Jana Gilke und Nils Haneklaus bei der WM (von links)
Vor dem Turnier stand die wohl weiteste Anreise, die wir je für unser Lieblingshobby unternommen haben. Nach zum Teil fast 20 Stunden in verschiedenen Flugzeugen, einem um sieben Stunden verspäteten Shuttlebus von Johannesburg in Südafrika nach Gaborone und einer anschließenden Fahrt von sechs Stunden inklusive einer Stunde Formulare ausfüllen und Stempel einsammeln an der botswanischen Grenze kamen Michael und Andreas erst um Mitternacht am 27. an der Universität von Botswana an, wo die anderen schon auf uns warteten. Leider nicht in der Lobby eines klimatisierten Hotels, wie von den Organisatoren versprochen, sondern auf der Türschwelle eines einfachen Studentenwohnheims, das für die nächste Woche unser oft lautes und heißes Quartier sein sollte. Immerhin mußten wir die erste Nacht nicht an der Grenze verbringen wie die Slowenen, denen die Zöllner nicht geglaubt hatten, dass es ein Land namens Slowenien gäbe ...

Es blieb nicht bei diesen Kuriositäten: Das Essen und die Getränke gingen oft aus, die Projektoren nicht an und die Türen zum ebenfalls versprochenen Pool nicht auf, und die Verspätungen ließen sich in Stunden zählen. Doch die sehr freundlichen Freiwilligen aus dem ganzen südlichen Afrika, die Schönheit Botswanas und Südafrikas, die einige von uns nach dem Turnier auf tollen Safaris erkundeten, und unsere schwäbisch genügsam sozialisierten Naturen halfen uns, alle Widrigkeiten zu meistern und das Turnier zu genießen.

Das fiel uns auch deswegen leicht, weil wir mit Stuttgart A einen traumhaften ersten Turniertag hatten, an dem wir zu den Themen "This house believes that national sporting teams should reflect the diversity of the national population", "This house believes that all countries should have the right to possess nuclear weapons" und "This house believes that governments should not provide benefits on the basis of marital status" acht von neun möglichen Punkten holten: Nur an den späteren Finalisten Sydney A mit Tim Mooney und Bronwyn Cowell mußten wir in der dritten Vorrunde einen Punkt abgeben. Jana und Nils holten derweil sehr gute fünf Punkte.

Am nächsten Tag, mit den Themen "This house believes that independent central banks should set limits on government spending", "This house would prioritise asylum seekers who have engaged in armed struggle against oppressive regimes" und "This house would deny teachers' unions the right to strike", ärgerten wir uns zuerst trotz der starken Konkurrenz zweier Europameisterschaftsfinalisten (Cambridge B mit Jack Watson und Harish Natarajan sowie King's Inns A mit Eoghan Casey und Patrick Rooney), nur den vierten Platz gemacht zu haben, da wir unsere Argumente durchaus besser in die Debatte hätten einbinden können, dann freuten wir uns über den zweiten Platz, und dann ärgerten wir uns wieder, eher schlechte Argumente gewählt zu haben und erneut Letzter geworden zu sein. Nils und Jana hatten währenddessen mit vier Punkten zu uns aufgeschlossen, so dass wir Kopf an Kopf in den letzten Turniertag einziehen konnten.

Nils feiert seine gute Leistung am zweiten Tag mit dem einzigartigen botswanischen Nationalgetränk
Dort lauteten die Themen "This house would require individuals to reveal their actual identity when communicating on the internet", "This house believes that the Southern African Development Community should pursue political union" und "This house believes that social movements should use the courts rather than the legislature to advance social change". Vor allem in den letzten beiden Runden taten wir uns anfangs schwer, die Fakten und den Kern der Debatten zu fassen zu kriegen, während wir hektisch in unserem Weltalmanach blätterten und uns mehr oder weniger gute Ideen für Argumente zuwarfen. Doch am Ende gewann unsere in der langen Vorbereitung für die WM erworbene Routine die Oberhand, so dass wir insgesamt fünf Punkte sammeln konnten. Stuttgart B erging es etwas schlechter, und Jana und Nils holten zwei Punkte.

Kurz nach Beginn des neuen Jahres kam der Höhepunkt der Silvesterparty: der Break. Stuttgart A hatte als drittes von 83 nichtmuttersprachlichen Teams gebreakt, Stuttgart B hatte es leider nicht geschafft. Wir waren etwas enttäuscht, nicht mit zwei Teams im Viertelfinale reden zu dürfen, doch freuten uns über den noch nie dagewesenen Erfolg eines WM-ESL-Breaks für unseren Club und feierten bis früh in den Morgen.

Nach einem Tag der Exkursionen bzw. der Entspannung mußten wir am 2. Januar zum Thema "This house believes that domestic courts should try foreign nationals who commit war crimes abroad" aus der Eröffnenden Opposition gegen den ehemaligen ESL-Europameister Leiden B (Rob Honig und Ali Al Khatib) sowie Berlin A (Bastian Laubner und Patrick Ehmann) und IIUM C (Sarah Shahriman und Sheikh Muhammad Faizal Shah) antreten, eine sehr starke Konkurrenz. Wir sprachen hauptsächlich darüber, warum Kriegsverbrechen als gemeinschaftserschütternde Taten von der Gemeinschaft selbst gesühnt werden müssen und warum es an sich keine universale Rechtsprechung geben kann. Das war genug, um neben Leiden und mit ohrenbetäubendem Jubel ins Halbfinale einzuziehen, als letztes im Wettbewerb verbleibendes deutschsprachiges Team.

Andreas spricht im ESL-Halbfinale
Im Halbfinale warteten jedoch noch härtere Brocken: die amtierenden ESL-Europameister Ljubljana A (Maja Cimerman und Filip Muki Dobranic) und ein weiteres gutes Team aus Ljubljana (Spela Kranjc und Simon Belak), die schwere Position der Eröffnenden Regierung und das Thema "This house would prefer that the children of racial minorities be adopted by parents of that race". Wir sprachen über die Bedeutung der Rasse auch in unserer heutigen Welt, die Notwendigkeit der Identifikation mit seinen Adoptiveltern, und warum Eltern der gleichen Minderheit ihren Kindern bessere Strategien zur Bewältigung von Diskriminierung vermitteln können. Doch leider war das trotz einer guten Leistung gegen diese sehr erfahrene und starke Konkurrenz nicht genug, und so war für uns und unseren Club an dieser Stelle Schluß.

Bei der Siegerehrung konnten wir dann aber wieder lachen, als wir mit unseren Rednerpokalen ausgezeichnet wurden, und wir freuten uns über die Früchte unserer Arbeit, den hervorragenden Erfolg für unseren Club, und dass nach der WM vor der WM ist. Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner, vielen Dank an die Organisatoren und auf Wiedersehen in Manila!

Mittwoch, 19. Januar 2011

Die ZEIT berichtet

Die ZEIT berichtet über den DCS und seine erfolgreiche Teilnahme an der World Universities Debating Championship in Botswana:

http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2011-01/debattierturnier-botswana

Dienstag, 18. Januar 2011

ZEIT DEBATTE Mainz 2011

Christian Geistlich, Alexey Gyoeri und Jonas Quick als Redner sowie Alexey Abel als Juror haben in Mainz an der ersten ZEIT DEBATTE im neuen Jahr teilgenommen. Sie schafften den "kleinen Break", wurden 17. von 27 Teams und 37. (Jonas), 50. (Alexey) und 59. (Christian) von 81 Rednern.

Wir waren erstaunt über das direkt am Mainzer Hauptbahnhof gelegene Vier-Sterne-Intercity-Hotel, das als Unterkunft gebucht war und qualitativ auf vollster Linie überzeugte. Nach dem Check-In am Freitag Nachmittag ging es zum Campus der Mainzer Gutenberg-Universität, in der die Vorrundendebatten stattfanden. Die Mainzer Veranstalter legten kurz das Reglement dar und beantworteten Fragen, während wir uns am reichhaltigen Angebot von Kaffee und Red Bull den nötigen Koffeinpegel für die kommenden hitzigen Debatten aufbauten.

Und dann ging es auch schon los mit dem Thema "Brauchen wir ein einheitliches Geschichtsbuch für die gesamte EU?" Als Opposition plädierten wir für die Erhaltung des Status Quo und gingen als Sieger der Herzen vom rhetorischen Schlachtfeld. Anschließend ging es dann in den Campussaal zum Essen, und schon bald blühten auch die Gemüter der Debattierer wieder auf, und es ging nach interessantem Plausch nahtlos in die Weinprobe mit der rheinhessischen Weinkönigin über. Wir erfuhren vieles über die Anbaugebiete und die korrekte Genusswahrnehmung eines Weines, und nachdem dann der sechste Wein ausgeschenkt und fachmännisch über den Gaumen geflossen war, dauerte es nicht lange, bis wir anfingen zu tanzen und uns erst morgens im Hotelzimmer wiederfanden.

Christian (links) und Jonas probieren rheinhessische Weine (Foto: DCJG Mainz)
Am Samstagmorgen dann gab es im Hotel ein sehr reichhaltiges und leckeres Frühstück, das keine Wünsche offen ließ. Danach fand der Transfer zum Campus statt, wo das nächste Thema sehr anschaulich mit einem kleinen Film eingeführt wurde: "Sollen wir das Ausland für die Endlagerung unseres Atommülls bezahlen?" Als Regierung hatten wir hier einen gefühlten Nachteil, jedoch machte sich unser hoher Koffeinspiegel bezahlt, und durch eine enthusiastische Themendarlegung sowie eine stichhaltige Argumentationsstruktur konnten wir den Punkterückstand aufholen.

Als Freie Redner gingen wir in die dritte Runde zum Thema "Soll die Fußball-WM künftig immer in England stattfinden?" In einem der Räume schien dieses Thema jedoch bei der Regierung keinen Anklang gefunden zu haben, und so wurde kurzerhand ein dem Thema ausweichender Antrag für einen Zusammenschluss aller Länder unter dem Namen "England" gestellt und nicht wie erwartet über Fußball debattiert.

Alexey schreibt, Christian hört zu und Jonas redet (Foto: DCJG Mainz)
Sichtlich erschöpft vom Wortgefecht wurden wir dann zur Mensa begleitet, während wir darüber nachgrübelten, ob man mit einer innovativen Antriebstechnik den Atommüll in die Sonne schiessen sollte. Diese Frage blieb offen.

Nun sollte sich entscheiden, ob wir in den "kleinen Break" kommen würden oder nicht. Mit unserer Gesamtpunktzahl erkämpften wir uns die Teilnahme als Team an den Debatten: "Sollen Abtreibungen nur noch mit Einverständnis des Vaters möglich sein?" und "Sollen Ministerien nur noch von parteilosen Fachleuten geführt werden?" Die erste Debatte war ein sehr aufregendes Gefecht um die Tyrannei und Unterdrückung der Frau, sowie verantwortungslose Vergewaltiger, Rabenväter und minderjährige, drogenverfallene Prostituierte. Wir als Regierung standen für die glückliche und harmonische Familie und für die Übernahme der Verantwortung durch den Mann, die Opposition malte sich die Frau als Brutkasten für die Nachkommen des Mannes aus. Leider lag die Sympathie der Jury bei letzterem Bild, und wir wurden wieder einmal Sieger der Herzen.

In der letzten Debatte legten wir eine souveräne Teamleistung hin, und obwohl klar war, dass wir nicht in die Runde der letzten vier einziehen würden, stellte sich dennoch ein Gefühl des Erfolges ein, und wir waren als Team zusammengewachsen.

Hungrig vom Debattieren gab es ein sehr leckeres Essen in einem nahen Restaurant. Für das Abendprogramm hatten sich die Mainzer ein besonderes Schmankerl überlegt, das „Last Team Standing“: Die Teams traten während der abendlichen Kostümparty gegeneinander in unterschiedlichen Kategorien an, die an die OPD-Kriterien für die Debatten angelehnt waren. Bewertet wurden unter anderem das Kostüm, die Tanzkünste, die Geselligkeit und der „Flirtfaktor“. Schließlich konnten die „Ghostbusters“ aus Ingolstadt mit ihren Kostümen und einem amüsanten Auftritt den ersten Preis, eine Flasche Ru(h)m gewinnen.

Das Finale am nächsten Mittag fand im Landesparlament von Rheinland-Pfalz statt. Nach einführenden Reden von einem Parlamentsrepräsentanten und einer Journalistin der ZEIT lautete die Frage der letzten Debatte zwischen Leipzig und Jena, ob wir eine einmalige Vermögensabgabe zum Abbau der Staatsverschuldung brauchen. Die Debatte verlief auf einem hohen Niveau, und es war sehr unterhaltsam, den Rednern zuzuhören. Den Ehrenpreis als bester Redner erhielt Magnus Schmagold aus Göttingen.

Zum Schluss möchten wir ein Dankeschön an den Debattierclub Mainz für die tolle Organisation und an alle Teilnehmer für die interessanten Debatten aussprechen. Wir freuen uns auf die Stuttgarter ZEIT DEBATTE im März und auf weitere Turniere!

Text: Alexey Gyoeri